17.04.2026 0 Kommentare
Oster-Impressionen im Kirchendreieck
Oster-Impressionen im Kirchendreieck
# Nachrichten Pfarrei und Kirchendreieck

Oster-Impressionen im Kirchendreieck
Vom Tod zum Leben
Die Osterkerze ist voll mit Wörtern, die einem sofort ins Auge springen. Viele Begriffe, mühsam aus Wachsplatten mit einer Nadel ausgekratzt… Die linke Seite des Kreuzes steht für den Tod und für das Erlösungsbedürftige. Hätte ich mich auf die klassischen Wurzelsünden wie Neid, Gier, Habsucht, Wut, Wollust, Völlerei und Hochmut beschränkt, würde man vermutlich nicht weiter nachdenken. Gerade deshalb braucht es die Ergänzungen um die Konsequenzen dieser Sünden, bewusst in dunkleren Farben geschrieben, sowohl physischer als auch psychischer Art. Eigenschaften und Taten, die kaputt machen, zerstören, zum Verzweifeln bringen, wie Eifersucht, Maßlosigkeit, Größenwahn, Missbrauch, Hass, Krieg, Femizide, Ausbeutung… die Liste ließe sich er-weitern. Schnell ist man hineingenommen in das aktuelle Zeitgeschehen, politisch, gesellschaftlich und kirchlich, findet Bezüge zu Herrschenden wie Trump, Putin, Xi Ping, Orbán, Netanjahu und terroristischen Gruppen und deren Anführern, Parteien und unseren Kirchen.

Gerade in einer Zeit, wo auch ich das Gefühl habe, einer immer größer werdenden Gewalt- und Hassspirale und Krankmachendem ausgeliefert zu sein, drängt es mich, dies sichtbar zu machen.
Die Menschheit hat auch über 2000 Jahre nach Jesu Leben, Sterben und Auferstehung Erlösung nötig. Leider machen wir die Erfahrung, dass mit Jesu Auferstehung die Welt kein bisschen besser, heiler und weniger kriegerisch ist, oder doch? Was wäre, wenn Gott fehlte? Was, wenn wir nicht an Ostern und jeder Eucharistiefeier daran erinnert würden, dass Jesus den Tod besiegt, Gott die Macht über Leben und Tod hat?
Sich wandeln und sich verwandeln lassen bleibt eine tägliche Herausforderung, aber eine, die sich lohnt. Vom Bösen zum Guten, von Krankheit zum Heilsein, vom Tod zum Leben. Auf der Kerze rechts sind in sehr hellen Farben Begriffe zu finden, die Freude und Hoffnung machen: Liebe, Leben, Mut, Versöhnung, Hingabe, Toleranz... Eine schöne Vorstellung, wenn aus Unterdrückung Gleichberechtigung, aus Missbrauch Verantwortung, aus Krieg dauerhafter Frieden würde. Die Auferstehungsbotschaft macht Verwandlung möglich.
Das zentrale Symbol der Osterkerze ist das Kreuz, welches das Bild in vier Teile aufteilt. Der untere und linke Balken ist auf der „Schattenseite“ bewusst dunkler und wolkig gehalten, auf der „Sonnenseite“ in hellerem und klarem Blutrot.
Von allen Himmelsrichtungen kommen die Hände, die sich in der Mitte treffen. Sie umfassen das (leuchtende) Herz Jesu, die Erdkugel, das Brot, die Eucharistie, zu der sich Christen auf der ganzen Welt immer wieder versammeln um Leben, Tod und Auferstehung Jesu zu feiern.
Uns ist die Welt in die Hände gegeben, um sie zu gestalten, zu beschützen und zu bewahren. Die goldenen Linien beschreiben das Göttliche, das in allen Situationen des Lebens durchscheint und zeigt, dass Gott immer da ist. Durch Dunkelheit gehen wir zum Licht. Vom Tod zum Leben. Sein ist die Zeit und die Ewigkeit.
Elisabeth Mitter, Ostern 2026
Begegnung am syrisch-orthodoxen Karfreitag (10. April 2026)
Am Freitag vor dem Weißen Sonntag hat sich wieder eine Gruppe aus St. Marien Liebfrauen und St. Michael Kreuzberg in die syrisch-orthodoxe Kirche St. Jakob (Potsdamer Str.) aufgemacht, um den letzten der Abschnitt der Karfreitagsliturgie mitzufeiern.
Die ausgedehnten Wechselgesänge und lyrisch ausgefalteten Gebete in aramäisch, der Sprache Jesu, geben einen ganz eigenen Zugang zur Leidens- und Heilsgeschichte. Während in unserer Tradition vor allem die Leere und Ratlosigkeit nach Jesu Tod betont wird, „malen“ die Syrer Jesu Ankunft im Reich der Toten intensiv aus, eine ganz andere Art der Verarbeitung des Unfassbaren. Das Zerbrechen der Kerzen am Ambo symbolisiert eindrücklich, wie den beiden Mitgekreuzigten die Knochen gebrochen werden.
Unser eigener Beitrag mit Lesung, Liedern und Gebet war im Vergleich mit dieser reichhaltigen und sinnlichen Liturgie ein deutlicher Kontrast, von der syrisch-orthodoxen Gemeinde aber mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Am Ende des Gottesdienstes wurde der Sarg zum Ausgang der Kirche getragen und alle schritten unter dem Sarg hindurch ins Freie.

Schon über 40 Jahre besteht diese Freundschaft über die Konfessionsgrenzen hinweg. Von 1974-84 feierte die syrisch-orthodoxe Gemeinde jeden Sonntag in St. Michael ihren Gottesdienst. Nach dem Umzug in die eigene Kirche St. Jakob, die frühere katholische Kirche St. Ludgerus, wurde die Tradition der gegenseitigen Karfreitags- und Osterbesuche begründet. Auch in diesem Jahr bereicherte daher eine Woche zuvor eine Gruppe der syrisch-orthodoxen Gemeinde wieder die Kreuzverehrung in unserer Karfreitagsliturgie in St. Marien Liebfrauen.
Christoph Boisserée
Gemeindediakonat St. Michael Kreuzberg – mal spontan
Wie in jedem Jahr mussten zur Grundreinigung vor Ostern alle Stühle, Bänke, Leuchter und Tische aus dem Kirchenraum herausgetragen werden. So packten viele Besucher der Hl. Messe am 5. Fastensonntag kräftig an und schnell war alles am Ausweichplatz. Und weil wir nun schon mal im Arbeitsmodus waren, ging es mit der Gartenarbeit gleich weiter. Spontane Freiwillige haben kräftig das wuchernde Gestrüpp gelichtet und den immer wieder hingeworfenen Abfall beräumt. So kommt auch der kleine Apfelbaum (Korbiniansapfel), den Br. Emmanuel Huemer SVD vor einigen Jahren dort gepflanzt hat, wieder gut zur Geltung und erhält Licht und Luft zum Atmen. Und weil es so schön war, wurden am folgenden Sonnabend nicht nur Kirchenmöbel und Gegenstände wieder eingeräumt, sondern gleich auch noch die Gartenarbeit mit der Bepflanzung des kleinen Blumenbeets fortgesetzt, rechtzeitig vor der Palmprozession am nächsten Tag. Auch ein Gottesdienstbesucher, der zum ersten Mal in St. Michael war, hat sich gleich kraftvoll an beiden Tagen eingebracht.

Um die kleine grüne Oase durchgehend zu erhalten, bedarf es nicht nur immer mal wieder solcher Arbeitseinsätze, sondern im Sommer ist auch regelmäßiges Bewässern nötig. Vielleicht finden sich ja ein paar Freiwillige, die in der Nähe wohnen und sich ein wenig um die Gießpflege an den Werktagen kümmern wollen. Meldungen gerne an Bernhard Kreß oder Susanne Deufel-Herbolte.
Christoph Boisserée
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