10.03.2026 0 Kommentare
Internationaler Frauentag in St. Bonifatius - ein Konzertrückblick
Internationaler Frauentag in St. Bonifatius - ein Konzertrückblick
# Nachrichten Pfarrei und St. Bonifatius

Internationaler Frauentag in St. Bonifatius - ein Konzertrückblick
Am 8.3.2026 gab es viele Veranstaltungen in Berlin. Eine kleine – aber feine – bot die St.-Bonifatius-Kirche in Kreuzberg. Der nicht zu unterschätzende kulturelle Beitrag von Frauen – hier besonders im musikalischen Schaffen – sollte gewürdigt werden. Oberthema war „Vox femina – Frauen in Kirche, Kultur und Gesellschaft“. Und der Abend – es sei jetzt schon verraten – wurde ein voller Erfolg!
Zum dritten Mal trat zum Frauentag die „Frauenschola St. Bonifatius“ mit dem „Instrumentalensemble Kreuzberg“ in der Kirche auf. Die zahlreich erschienenen Besucher und Besucherinnen waren gespannt – waren doch hohe Qualität und ein interessantes Programm zu erwarten. Und man wurde nicht enttäuscht. Zu verdanken ist das in erster Linie dem Kirchenmusiker Stefano Barberino, der mit seinen Musikerinnen und Musikern seit Januar das umfangreiche Programm erarbeitet hatte.
Sehr stimmungsvoll – man fühlte sich direkt in ein mittelalterliches Kloster versetzt – begann mit Glockenklang ein Werk der heiligen Hildegard von Bingen – sie war von Papst Benedikt XVI. zur Kirchenlehrerin erhoben worden. „Karitas habundat in omnia“ wurde mit mittelalterlichen Instrumenten (Glockenspiel und Drehleier) und Chorgesang aufgeführt.
Dem folgte ein melodisch beschwingtes Werk vom Beginn des 17. Jahrhunderts – die Benediktinerin Caterina Assandra hatte im lombardischen Pavia Musik studiert und eine Reihe von Motetten und Orgelstücken veröffentlicht. Es kam die Motette „Veni dilecte mi“ zur Aufführung.
Von der Ordensschwester Claudia Francesca Rusca – ebenfalls aus der Lombardei – stammt das „Canzon seconda à 4“. Der Mailänder Erzbischof hatte die musikalische Bildung in den Klöstern gefördert. Die Kompositionen „Canzoni Francesi“ sind die ersten bekannten erhaltenen Instrumentalwerke einer Frau.
Dann ein Sprung in die Barockzeit. Eine unter dem Pseudonym Mrs Philarmonica in London bekannte Frau hatte etliche Sonaten komponiert. Davon wurden vier Sätze der „Sonata prima“ aus dem „Divertimenti da camera“ geboten – beschwingt begleitet von Stefano Berberino auf dem Cembalo.
Dem folgte die ebenfalls barocke „Ouverture II“ der hochbegabten italienischen Komponistin und Cembalistin Maria Teresa Agnesi aus Bologna. Sie hatte – aus einer Professorenfamilie stammend – schon früh musikalische Bildung erfahren. Ihr ganzes Leben war der Musik gewidmet. Sie hatte auch Kontakt zu Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart.

Dann kam ein Sprung in die Moderne – in die neue Welt – zum Tango „El Adios“. Die Argentinierin Maruja Pacheco Huergo zählte bis zur Mitte des 20. Jh. zu den bekanntesten und vielseitigsten Künstlerinnen von Buenos Aires. Sie komponierte Tangos, schrieb Kinderlieder und Gedichte und trat auch als Schauspielerin in Filmen auf. Der Beifall für diesen beschwingten Beitrag war groß.
Zurück in ein anderes Jahrhundert. Die Schwester des Preußenkönigs Friedrich II. Anna Amalia von Preußen war von diesem musikalisch gefördert worden, war er doch selber musisch gebildet. Bedeutsam ist die Prinzessin aber auch dadurch, dass sie eine Notensammlung der Werke von Johann Sebastian Bach angelegt hatte. Von ihr wurden drei Sätze der „Sonate für Flöte und Basso continuo“ aufgeführt. Solistin war hier Maria Hector, begleitet auf dem Cembalo durch Stefano Barberino.
Clara Schumann durfte unter den Komponistinnen nicht fehlen. Sie – musikalisch hochbegabt – stand oft im Schatten ihres Mannes Robert. Neben der Hausarbeit und der Kindererziehung pflegte sie den kränkelnden Mann – machte trotzdem Konzertreisen - auch um die finanzielle Situation der Familie zu verbessern. Die Frauenschola sang das romantische Lied „Liebst du um Schönheit“.

Ein besonderer Höhepunkt – hier wurde der Text in voller Länge im schön gestalteten Programm veröffentlicht – war „Göttingen“ von der französischen Chansonnière Barbara. Sie – aus einer jüdischen Familie stammend – musste während der deutschen Besatzung im Pariser Untergrund leben. In den Fünfzigerjahren trat sie in Cabarets auf – mit selbst verfassten Texten und Musik. Sie begleitete ihre Chansons selbst am Klavier. Nach einem Gastspiel im Theater Göttingen – das sie sehr beeindruckt hatte – schrieb sie das Lied, das zu einem Symbol der deutsch-französischen Verständigung wurde.
Dann spann sich der musikalische Bogen weiter zu Joan Baez – einer Ikone der Bürgerrechtsbewegung, des Pazifismus und des Umweltschutzes. Die „Queen of Folk“ gilt weiterhin als Gewissen ihrer Generation. Von ihr wurde „River in the pines“ durch die Frauenschola vorgetragen.
Spirituals mit Bearbeitung durch die afro-amerikanische Komponistin Undine Smith Moore „Is there anybody here that loves my Jesus“ und „Come down Angels“ schlossen beschwingt das Konzert ab. Die Musikprofessorin aus Virginia wurde besonders bekannt durch ihr Oratorium, das sie Martin Luther King Jr. gewidmet hatte.
Der Beifall mit Jubelrufen war lang andauernd. Die Musikerinnen und Musiker statteten ihren Dank Stefano Barberino durch ihren Gegenapplaus ab. Das exzellente Zusammenspiel zwischen dem Leiter und den Ensembles war das ganze Konzert über spürbar.
Am Ausgang wurden Spenden für ein Projekt in Sierra Leone gesammelt. „Radiance“ – ein afrikanisches Projekt – setzt sich für schulische und berufliche Ausbildung ein und bekämpft geschlechtsbasierte Gewalt sowie arrangierte Ehen Minderjähriger.
Gerhard Schmidt-Grillmeier

Kommentare