27.02.2026 0 Kommentare
"Die Kirchen und der Frieden in einer Welt in Unordnung"
"Die Kirchen und der Frieden in einer Welt in Unordnung"
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"Die Kirchen und der Frieden in einer Welt in Unordnung"
Der Konvent der Ökumenebeauftragten im Sprengel Berlin und der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin luden am 21.2. 2026 alle Interessierten zum alljährlichen Ökumenetreffen ein. Hier folgt ein Bericht von Lukas Hetzelein, Referent in der Geschäftsstelle des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum.
Das Schwerpunktthema „Frieden stiften – aber wie?“ lockte mehr als 70 Interessierte zum diesjährigen Ökumentreffen des Konvents der Ökumenebeauftragten im Sprengel Berlin und des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin.
Friedensdenkschrift
„Christliche Friedensethik rechnet mit der Wirklichkeit einer unerlösten Welt.“ Damit setzte Friederike Krippner den Ton bei ihrer Einführung in die neue Friedensdenkschrift EKD, die im November 2025 beschlossen worden ist. Dass die „Welt in Unruhe“ ist, zeigten nicht zuletzt der Anspruch des US-Präsidenten auf Grönland, die Entführung des venezolanischen Präsidenten, den Konflikt im Sudan und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Anhand der Klimakrise und der Wehrpflicht zeigte Krippner, Co-Leiterin des Redaktionsteams der Denkschrift, exemplarisch Akzentverschiebungen der neuen Denkschrift auf und wie die Positionierungen gegeneinander abgewogen und entwickelt worden sind.
Stefan Silber, Friedensforscher und Mitglied von pax christi, vertrat in seinem Impuls einen deutlichen christlichen Pazifismus. Weltweit, so Silber, belege die Studienlage: Nur Gewaltverzicht führe zur Minderung der Gewalt. Und Jesus als der in jeder Hinsicht gewaltfreie Friedensstifter vertrete mit dem Aufruf zur Gewaltfreiheit eine alternative Vision des Zusammenlebens, so die Hauptthese Silbers.
Damit waren die zwei Pole der aktuellen Debatte gesetzt: der christliche Pazifismus, der jede Form militärischer Gewalt und damit auch eine Erhöhung des Verteidigungsetats, Waffenlieferungen für die Ukraine oder eine allgemeine Wehrpflicht ablehnt. Und die Position, die die Anwendung von Gewalt als letztes Mittel und unter Einhaltung strenger Kriterien dann für legitim hält, wenn sie dem Schutz der Menschenwürde und der Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit dient.
In der Diskussion erinnerte Silber an Momente der Widerstandslosigkeit der Ukraine zu Beginn des Krieges und an die Positionierung aller (sonst so zerstrittenen) christlichen Konfessionen im Heiligen Land gegen den Krieg. Beides seien Beispiele für den Wunsch nach Gewaltfreiheit, die in der Öffentlichkeit viel zu wenig Beachtung gefunden hätten.
Demgegenüber stellte Frau Krippner in Frage, dass mit einer Kapitulation der Ukraine tatsächlich Frieden einkehren würde.
Und die ökumenische Dimension? Während das Friedenswort der Deutschen Bischöfe eine große Nähe zur EKD-Friedensdenkschrift aufweist, bezeichnete Stefan Silber die Päpste Franziskus und Leo XIV. als prophetische Stimmen für einen Frieden, der nur gewaltfrei errichtet werden könne. Für nichts, für keine Idee, für keinen Glauben und für keine Politik darf getötet werden, so ein Wort von Franziskus. Und Friederike Krippner ergänzte: Als Global Player hat die Katholische Kirche Möglichkeiten, die bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind.
Auf die Frage eines Teilnehmers, was man angesichts der schrecklichen Kriege und der ethischen Dilemmata denn überhaupt tun könne, waren sich Krippner und Silber schließlich einig: Nahezu alle Menschen in den Konfliktgebieten, mit denen sie in Kontakt stünden, würden sie einladen, sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen.
In mehreren Workshops konnten die Teilnehmenden einzelne Aspekte, wie etwa den Wehrdienst, die Perspektive der Kirchen in Ost- und Mitteleuropa oder die Friedensarbeit in Gemeinden vor Ort, vertiefen.
So spiegelte das diesjährige Ökumenetreffen das ehrliche Ringen um die christliche Positionierung angesichts verbrecherischer Kriege und dem Wunsch nach echtem Frieden.
„Ich gehe mit mehr Fragen als Antworten“, so eine Teilnehmerin. „Aber das ist nicht das Schlechteste.“
Ökumenische Vernetzung
Das Ökumenetreffen findet seit nun 25 Jahren statt. Es wurde im Vorfeld des ersten ökumenischen Kirchentags, der 2003 in Berlin stattfand, ins Leben gerufen.
Dr. Lukas Hetzelein, Referent in der Geschäftsstelle des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin

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